Zielgruppe Senioren: Spezielle Anforderungen an Technische Dokumentationen
"Opa - das kannst du auch" - so der Titel des neuen Bestsellers von Hans-Dieter Brunowsky und Maximilian Kubenz, das im Bruno Media Buchverlag erschienen ist. Das Buch vermittelt in Form eines Dialogs zwischen Opa und Enkel unter Einsatz einer leicht verständlichen Sprache wesentliche Fertigkeiten bei der Arbeit am PC und im Internet. Leicht verständliche Illustrationen sowie der Einsatz von gut lesbaren Serifenschriften unterstützen die Benutzerfreundlichkeit des Buches. Auch für Technische Redakteure ein interessantes Buch, denn auch für sie stellt sich die Frage: Wie muss auf die Zielgruppe der über 60-jährigen in Bedienungsanleitungen eingegangen werden?
Die Zahl der Internet-User über 60 Jahre ist in den letzten Jahre, so eine W3B-Studie vom August 2006, deutlich angestiegen. Ältere Menschen verschließen sich nicht vor neuen Technologien, sondern wollen auch nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben aktiv sein, über das Internet einkaufen, kommunizieren und sich informieren.
Gleichzeitig sind sie aber auf benutzerfreundliche Geräte, die auf ihre Zielgruppe zugeschnitten sind, angewiesen.
Auch auf dem Handy-Markt sind einfache, benutzerfreundliche Geräte für Senioren gefragt. Aber benutzerfreundliche Geräte allein genügen nicht - die Bedienungsanleitung ist der Schlüssel dazu, dass Geräte insbesondere von älteren Menschen zweckgemäß und effizient eingesetzt werden können.
In einem Projekt der Hochschule Aalen untersuchte Diplomand Steffen Thurn Bedienungsanleitungen für Mobiltelefone auf ihre Seniorentauglichkeit und führte Usability-Tests mit Senioren zwischen 62 und 75 Jahren durch. Als Ergebnis des Projekts ergaben sich einige Grundanforderungen an Bedienungsanleitungen für diese Zielgruppe: In jedem Fall sollte ein großer, gut leserlicher Schriftsatz sowie angemessen große Zeilenabstände verwendet werden. Zudem seien ältere Anwender verstärkt auf eine klare Gliederung und einen hohen Kontrast zwischen Text und Hintergrund angewiesen. Fachbegriffe sollten möglichst selten und wenn notwendig mit ausreichender Erklärung eingesetzt werden. Um den Anwender handlungsfähig zu machen, sei eine aufklappbare, mit Nummern versehene Gerätebeschreibung unverzichtbar.
Bleibt die Frage, ob es spezielle Bedienungsanleitungen für Senioren geben sollte. Steffen Thurn beantwortet diese Frage ganz klar mit "nein". Ältere Menschen empfänden dies als diskriminierend. Das setze aber wiederum voraus, dass beim Verfassen von Anleitungen die Zielgruppe der Senioren miteinbezogen werden müsse, so dass eine für alle Anwender benutzerfreundliche Anleitung entsteht.
Wissen über die Zielgruppe und die Umsetzung in Form von Schreib- und Medientechniken vermittelt die tekom-Schrift "Technische Dokumentation für Senioren" (Hochschulschriften Band 12). Unter anderem wird dargestellt, wie ältere Menschen mit Technik umgehen, welche Anforderungen sie an technische Geräte setzen und welche physischen und psychologischen Zusammenhänge eine Rolle spielen.
http://www.opadaskannstduauch.de
http://www.tekom.de/upload/alg/Publikationen.pdf