Englisch-Übersetzung - oder doch lieber Chinesisch, Spanisch und Hindi?
Wer international Erfolg haben will, spricht englisch. Noch. In einigen Jahrzehnten könnte es ganz anders aussehen. Denn die oft vorhergesagte wachsende Dominanz der englischen Sprache wird es so nicht geben.
Im Augenblick liegt die englische Sprache, gemessen an der
Zahl der Muttersprachler, auf Rang zwei. Mandarin, die Verkehrssprache in China,
sprechen ca. 850 Mio, Menschen.
Zum Vergleich (weltweite Sprecher in Mio.):
- Englisch 690
- Hindi 525
- Spanisch 445
- Französisch 290
- Arabisch 290
- Russisch 240
- Portugisisch 218
- Deutsch 155
In wenigen Jahrzehnten wird Englisch von Hindi und Spanisch eingeholt. Bereits jetzt ist ein moderater Rückgang der Englisch-Übersetzungen zugunsten anderer Sprachen festzustellen. Nach neusten Schätzungen werden 2050 nur noch fünf Prozent der Weltbevölkerung Englisch sprechen - 100 Jahre zuvor waren es noch neun Prozent.
Ein vom British
Council veröffentlichter Bericht stellt fest, dass sich die
jahrzehntelange Vorherrschaft der englischen Sprache auf der internationalen
Bühne dem Ende zuneigt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass britische
Absolventen, die nur eine Sprache sprechen, schlechtere wirtschaftliche
Aussichten haben, da qualifizierterer, mehrsprachiger Nachwuchs aus anderen
Ländern gegenüber ihren britischen Kontrahenten in internationalen Unternehmen
und Organisationen einen Wettbewerbsvorteil hat. Viele Länder legen großen Wert
auf Sprachkenntnisse, während die britischen Schüler und Studenten nicht dazu
ermutigt würden eine Fremdsprache zu erlernen.
Dies könnte längerfristig die Position der
englischen Sprache auf den internationalen Bildungsmärkten schwächen, zumal die
Nachfrage nach Übersetzungen und Sprachlehrern in Spanisch, Arabisch oder
Mandarin steigt. Ebenso nimmt die Nachfrage nach Übersetzungen in japanischer,
französischer oder deutscher Sprache in internationalen Unternehmen zu.
Die Schwächung der englischen Sprache ist allerdings noch kein Grund für den
Aufstieg einer anderen Sprache zur Weltsprache. Für die wirtschaftliche und
kulturelle Relevanz einer Sprache kommt es nicht nur auf die Zahl der Sprecher an,
sondern wie viele dieser Sprecher mit anderen in Kontakt treten möchten bzw.
können.
Die komplizierte chinesische Schrift mit ihren Tausenden Schriftzeichen, die in China selbst die innerchinesischen Sprach-Differenzen überwindet, dürfte ein echtes Hindernis für die "weltsprachliche" Verbreitung des Chinesischen sein. Nach chinesischen Aussagen hat China heute die größte Zahl von Englischsprechern der Welt, Indien liegt an zweiter Stelle. Das sprachliche Medium des wirtschaftlichen Aufstiegs Indiens ist nicht Hindi sondern Englisch. Die Inder selbst verwenden ihre eigenen Sprachen im wesentlich nur als regionale Umgangssprachen. Von hier droht dem Englischen also wenig Konkurrenz.
Allenfalls dürfte das Gewicht Lateinamerika mit seinen beiden großen Sprachen - Spanisch und Portugiesisch - an Gewicht gewinnen. In den USA könnte das Englische durch die zahlreichen spanischsprachigen Einwanderer geschwächt werden. Vielleicht werden sich aber auch neue Synergien entwickeln. Bereits jetzt gibt es so unterschiedliche englische Dialekte, dass sie als eigenständige Sprachen gelten können. Diese Sprachvarianten sollten bei einer Englisch - Übersetzung beachtet werden.