Übersetzerausbildung in Deutschland und den USA
Lernen für's (Über-)Leben
Der Übersetzungsmarkt boomt, denn die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft führt auch zu immer mehr und immer differenzierterer Übersetzung von Werbung, Produktdokumentationen und Gebrauchsanleitungen in die Sprachen der nationalen Märkte. Alleine der Übersetzungsdienst der Europäischen Kommision produzierte im Jahr 1997 1 Million Seiten. Kein Wunder, hat doch das Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften festgelegt, dass "jeder Unionsbürger sich in seiner Landessprache informieren und äußern können (muss)". Die Wachstumsrate der Fremdsprachenindustrien in Europa lag folglich 1994-97 bei 55 %, für 1997 bis 2004 ist eine Steigerung um weitere 47 % zu erwarten.
Rosige Berufsaussichten also für Übersetzer und Dolmetscher, oder? Zwischen 1994-97 nahm die Anzahl der Beschäftigten in der Fremdsprachenindustrie lediglich um 18 % zu - ein Hinweis auf den verbreiteten Einsatz elektronischer Hilfsmittel und die damit verbundene Produktivitätssteigerung, aber auch auf die zunehmende Arbeitsbelastung des einzelnen Übersetzers. Hinzu kommt, dass sich verstärkt das Muttersprachenprinzip auf dem Markt durchsetzt, d. h. Übersetzungen z. B. ins kanadische Französisch werden auch für ein deutsches Unternehmen von einem Kanadier, idealerweise in Kanada, vorgenommen und nicht, wie noch vor ein paar Jahren, von einem deutschen Übersetzer vor Ort - das Internet macht’s möglich. Das bedeutet aber auch, dass der Markt und damit die Konkurrenz für die einzelnen Übersetzer global geworden sind: Sie müssen sich auch auf dem heimischen Markt zunehmend gegen ausländische Übersetzer behaupten, gleichzeitig Kunden auf internationalen Märkten gewinnen und betreuen. Die Übersetzerausbildung ist hier gefordert Kenntnisse zu vermitteln, die weit über die reine Sprachbeherrschung hinausgehen.
Welche Antworten kann die Übersetzerausbildung in den Vereinigten Staaten auf die genannten Herausforderungen geben? Wie sieht der Berufsalltag der Übersetzer in den beiden Ländern aus? Wie entwickeln sich die nationalen Übersetzungsmärkte? Was können Vertreter von Praxis und Lehre aus beiden Ländern voneinander lernen? Um diese Fragen zu beantworten, hatten das Transforum, der Koordinierungsausschuss Praxis und Lehre Übersetzen und Dolmetschen, und dessen Generalsekretär Dr. Wolfgang Sturz, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter von transline Deutschland GmbH in Reutlingen, Jeff Wood den Direktor des Career Development Office am angesehenen Monterey Institute for International Studies in der Zeit vom 18. bis 25. April zum Gedankenaustausch nach Deutschland eingeladen.
Bei Besuchen u.a. in der transline Zentrale in Reutlingen, dem transline Kompetenzzentrum für Software-Lokalisierung in Bonn und beim Sprachendienst der DaimlerChrysler AG in Stuttgart zeigte sich Jeff Wood beeindruckt von der Professionalität der Übersetzer. "Ich bin erstaunt, wie viele unternehmensinterne Übersetzer und Dolmetscher z. B. bei DaimlerChrysler arbeiten," erzählt Jeff Wood. "Ich begrüße das sehr, denn Kontinuität in der Übersetzung ist ein wesentlicher Qualitätsfaktor und mit Inhouse-Übersetzern natürlich besonders gut zu gewährleisten."
Besuche am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und dem Institut für Sprach- und Übersetzungswissenschaft der Universität Leipzig vermittelten dem Gast aus USA interessante Einblicke in die deutsche Übersetzerausbildung. Aber natürlich konnte auch er seinen Kollegen neue Wege in der Lehre aufzeigen, kommt er doch von einer der weltweit angesehensten Schulen für Übersetzung und Dolmetschen. Als Direktor des so genannten Career Development Office am Monterey Institute ist es die Aufgabe von Jeff Wood, die Studenten fit zu machen, nicht für das Examen, sondern für das "Leben danach", das Überleben auf dem Arbeitsmarkt. "Auf unserem Lehrplan steht z. B. auch ‚Projektmanagement‘, denn ein Großteil unserer Studenten wird nicht oder nicht ausschließlich als Übersetzer arbeiten, sondern zunehmend komplexe Übersetzungsprojekte managen. Außerdem vermitteln wir - so scheinbar - triviale Dinge wie "Wie bewerbe ich mich erfolgreich?‘, ‚Welche Hard- und Software-Ausstattung brauche ich als Freiberufler?‘, ‚Wie vermarkte ich mich selbst?‘, Wie gewinne ich Kunden?‘, ‚Wie mahne ich Kunden?‘ usw. usf.", gibt Jeff Wood einen Einblick in seine Tätigkeit. Und anders als allzu oft an deutschen Hochschulen ist das Thema ‚Berufspraxis‘ nicht an das Ende des Studiums gestellt. "Als Direktor des Career Development Office bin ich schon dabei, wenn zukünftige Studenten sich bei uns um einen Studienplatz bewerben. Und noch in den ersten Wochen des Anfänger-Semesters führe ich Berufsorientierungsgespräche, deren Ergebnisse sich auf die inhaltliche Ausrichtung des Studiums auswirken."
Wichtigstes Element dieser sehr praxisorientierten Ausbildung sind aber Praktika während des Studiums, bei denen die Studenten wertvolle Berufserfahrung sammeln können. "Es ist auch mein Job, Unternehmen zu finden, die unsere Studenten wollen - sei es für Praktika oder in Festan-stellung nach dem Studium," erläutert Jeff Wood. Dabei spielt die Pflege von Kontakten zu Ehemaligen eine wichtige Rolle, aber auch die jährlich stattfindende Job Fair, bei der sich Examenskandidaten und die Recruiter interessierter Unternehmen treffen. In diesem Jahr wird auch die transline Gruppe wieder versuchen Abgänger der amerikanischen Übersetzerschmiede als hochqualifizierte und professionelle Inhouse-Übersetzer nach Deutschland zu locken.
Informationen rund um die transline Gruppe
Dietransline Gruppe ist führender Anbieter intelligenter Dienstleistungen für die Globalisierung. Mit transline Deutschland GmbH, den Tochtergesellschaften in einer Reihe europäischer Länder sowie der doculine Verlags-GmbH deckt die Gruppe die gesamte Prozesskette der globalen Kommunikation ab – von der technischen Dokumentation über die sprachliche Übersetzung und kulturelle Adaption bis zur druckfertigen Fremdsprachen-Publikation oder dem mehrsprachigen Internetauftritt. In der doculine Verlags-GmbH erscheinen Fachbücher und Publikationen zu diesem Themenkreis. Zur transline-Gruppe gehört auch das Steinbeis Transferzentrums Wissensmanagement und Kommunikation, das in der Unternehmensgruppe den Bereich Beratung, Schulung und Coaching abdeckt.
Ausführliche Informationen finden Sie unter den Adressen:
www.steinbeis-wissensmanagement.de
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